Feuer und Flamme für den Kachelofen 2.0

Nach „Ofen aus“ vor zwei Jahren stehen die Zeichen nun wieder auf Expansion: Der Kaindorfer Kachelofen-Spezialist Flechl nimmt mit einem innovativen System, das hohen Vorfertigungsgrad und individualisierte Kundenwünsche kombiniert, den europäischen Ofen-Markt ins Visier.

Angekündigte Revolutionen finden manchmal doch statt. Und in besonderen Fällen kommen sie durch die Hintertür. Der Eingangsbereich der Firma Flechl Kachelofen in Kaindorf: Von einem Innenhof mit Parkplatz abseits der Hauptstraße führt eine Eingangstür zum Firmensitz im ersten Stock. Ein gemütliches Büro von überschaubarer Größe. Keine Öfen, kein Showroom, keine Produktion. Dafür zwei Firmenchefs mit Tablets und einem Screen über dem Besprechungstisch. Kachelofen 2.0? Alexander Flechl kommt ohne Umschweife zur Sache. „Der Kachelofen-Markt ist im Umbruch. Ich traue mich zu sagen: Mit unserem neuen Konzept leiten wir eine Revolution ein.“

Das Konzept? Ein mittels Mausklick vorausgewählter Selbstbau-Ofen, der binnen kürzester Frist gefertigt, geliefert und montiert wird. „Konfigurator“ nennt sich das von Flechl entwickelte System, das dem Kunden erlaubt, auf einer Web-Plattform in wenigen, benutzerfreundlichen Schritten, maßgeschneiderte Qualitätsofen auszuwählen und zu bestellen. Rund 150 Modelle stehen zur Auswahl, durch die individuelle Wahl von Größe, Design und Oberflächen ist die Anzahl möglicher Ofen- Optionen praktisch unendlich. „Binnen Minuten erhält der Interessent ein Preisangebot eines Händlers“, erklärt Flechl weiter. Tempo bestimmt auch die weiteren Schritte des Bestell- und Liefervorgangs. Nach der Order wird der Ofen im ungarischen Werk produziert und dann – im Falle eines Neubaus – in einem Stück ins Haus geliefert und montiert. „Handelt es sich um einen nachträglichen Einbau, wird der Ofen in acht Teilen geliefert und dann vor Ort nur noch komplettiert.“ Der Clou am System? „Dadurch reduziert sich die Zeit für das Setzen eines Ofens von acht Tagen auf ein bis maximal zwei Tage. Vorbei die Zeiten, wo die Monteure mit Paletten voll Kacheln und Schamott anrücken mussten und für einen Ofen mehr als eine Woche Zeit brauchten, während das Fertigteilhaus selbst in zwei Tagen hingestellt wird. Abgesehen vom Dreck und Staub, den die Monteure früher machten.“ Eine Rechnung, so Flechl, die sich aus mehreren Gründen nicht mehr ausgeht – auch was die Umwelt betrifft. „Der ökologische Fußabdruck war durch die vielen Kundenfahrten sehr groß.“ Industrielle Vorfertigung laute daher das Gebot der Stunde, ist Flechl überzeugt. „Wir haben Markttrends analysiert und uns andere Industrien – etwa die Automobil-Industrie – zum Vorbild genommen.“ Das Ergebnis: „Durch dieses System der Vorfertigung heben wir die Handwerkskunst ins dritte Jahrtausend.“

Eine wesentliche Rolle in diesem System spielt auch die Vertriebsstruktur: eine exklusive Kooperation besteht mit dem Möbelhandelsverbund MHK mit 146 Shops in ganz Österreich, aber auch der Handelsriese Lagerhaus vertreibt Flechl-Öfen – in Form eines Shop-in-Shop-Konzepts. „Einen ersten solchen Shop gibt es in der Filiale in Hartberg, aber auch in Trofaich sowie in Graz- Umgebung sollen demnächst Shops entstehen.“ Auch Plewa- Rauchfangsystem-Hersteller Frühwald ist Vertriebspartner. Und das Vertriebsnetz wächst stetig. „Ziel sind 400 bis 500 Partner in Österreich“, erklärt Junior-Chef Lukas Flechl. „Wir steuern die Prozesse im Hintergrund von Kaindorf aus – direkten Kundenkontakt gibt es nicht mehr.“ Auch Monteure sind nicht mehr im Betrieb beschäftigt, sondern werden auftragsbezogen für die Komplettierung engagiert. „Von unserer Struktur her sind wir wie eine Holding aufgestellt“, schwärmen Alexander und Lukas Flechl.

Intelligente Fertigung, vernetzte Logistik und kostenoptimiertes Outsourcing – ein steirischer Ofenbauer als Vertreter der Generation Industrie 4.0?„ Wenn man auch noch den Trend, Produkte interaktiv via Tablet oder Smartphone zu bestellen, dazuzählt, sind wir in diesem Bereich sicher absolute Innovationsspitze in Europa“, betont Alexander Flechl. Daher steht auch die weitere geographische Marktausrichtung für den Oststeirer fest – die Expansion in andere europäische Staaten. Der Markteintritt nach Deutschland ist für das Jahr 2016 geplant. „Wir wollen nicht nur in Österreich Nummer eins sein, sondern denken weit darüber hinaus. Unser Vertriebspartner MHK hat in Deutschland rund 2.000 Standorte. Und bei einem Preis von 10.000 bis 15.000 Euro für einen Ofen fallen die Lieferkosten nicht mehr ins Gewicht.“

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Neustart nach der Umstrukturierung

Kühne Visionen eines hemdsärmeligen Umsetzers, der mittelfristig 1.000 Öfen pro Jahr ausliefern will. Zukunftspläne, die für den Unternehmer vor zwei Jahren noch ein ferner Traum waren. Im Jahr 2013 rutschte der traditionsreiche Ofenbauer in Folge der Pleite dreier Großabnehme – der Fertigteilhersteller Griffner, Wigo und Pichler – in die Insolvenz. Auf die Umstrukturierung folgte der komplette Relaunch des Geschäftsmodells. Der einstmals 50 Mitarbeiter zählende klassische Ofenbauer wagte den Neustart mit schlanker Struktur und großen Zielen. „Wir standen vor der Entscheidung: Wollen wir als kleiner Hafnerbetrieb weitermachen oder anfangen, völlig neu zu denken? Wir haben uns zum Glück für Zweiteres entschieden.“ Unterstützt wird das Unternehmen dabei von einer lebenden Unternehmerlegende der steirischen Wirtschaft: Pankl-Racing-Gründer Gerold Pankl. Dieser beteiligte sich mit 30 Prozent am Kaindorfer Unternehmen und bringt sich mit Technik- und Vertriebs- Knowhow in die Firma ein. „Ein brillanter Kopf und schneller Denker, der uns einen großen Sprung nach vorne gebracht hat. Ein echter Glücksfall für unseren Betrieb“, freut sich Flechl. 

 
Auch ein zweiter Glücksfall beflügelt das Unternehmen: ein Großauftrag für das Almdorf „Seinerzeit“ auf der Fellacher Alm in Kärnten. „Wir lieferten 92 Öfen – und das binnen acht Wochen“, so Lukas Flechl über das Referenzprojekt.
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Ein Ofen, mit dem man kühlen kann

Kachelofen – quo vadis? „Eine berechtigte Frage im Zeitalter von Fernwärme und Mikrowelle“, gesteht Alexander Flechl. „Ein Kachelofen steht heute mehr denn je als Entschleuniger unseres gehetzten Lebens. Dennoch ist es wichtig, das Produkt weiterzuentwickeln – inklusive des Produktionsprozesses. Sonst verliert er tatsächlich die Berechtigung am Markt“, betont der Firmenchef. Der Trend gehe auch weg vom klassischen Kachelofen hin zu Heizkaminen und Herdanlagen. Auch autarke Heizsysteme bzw. Hybrid-Systeme, die an die Zentralheizung angeschlossen werden, seien im Kommen. „Wir entwickeln zudem gerade einen Kachelofen, der mit einer Wärmepumpe kombinierbar ist, und Strom erzeugen kann. Damit kann ich Winter heizen und im Sommer kühlen.“

Die nächste angekündigte Revolution aus Kaindorf.

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Text: Wolfgang Schober, Fotos: Oliver Wolf, beigestellt







Es rentiert sich immer Strom zu sparen!